In the Spotlight: Edisa Shahini, Co-Founder von Maison Rivée, Content Creator und Unternehmerin
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Edisa Shahini kam vor mehr als 20 Jahren nach Wien und hat hier ihre Liebe zu Mode, Handwerk und besonderen Fundstücken weiterentwickelt. Geprägt von ihrer kunstsinnigen Mutter und den gemeinsamen Stunden mit Seide und Stickerei, achtet sie besonders auf Materialien, Farben und Details. Seit vielen Jahren arbeitet sie als Content Creatorin und verbindet dabei Mode, Fotografie und Styling. Gemeinsam mit Maria Ratzinger gründete sie Maison Rivée, in der sie kuratierte Vintage-Mode und Designerstücke einem neuen Publikum näherbringt. Ihr Anliegen: Frauen dazu zu inspirieren, ihren eigenen Stil zu entdecken und besondere Stücke selbstbewusst zu tragen.
Du bist vor mehr als 20 Jahren nach Wien gezogen. Wie hast du die Stadt bei deiner Ankunft erlebt und wie hat sich deine Beziehung zu ihr seitdem verändert?
Als ich 2003 nach Wien kam, fühlte sich alles unglaublich elegant an, wie Musik für meine Seele. Ich war fasziniert von der Architektur, den schönen alten Gebäuden, der Kaffeehauskultur und davon, wie sehr die Geschichte den Alltag durchdringt. Da ich aus einem anderen kulturellen Umfeld stammte, wirkte Wien sehr traditionell und in mancher Hinsicht auch recht zurückhaltend.
Ich habe mich tatsächlich sehr schnell an die Stadt gewöhnt. Ich war viel zu Fuß unterwegs, erkundete kleine Gassen, entdeckte die Geschichte Wiens und lernte die verschiedenen Bezirke kennen. Mich interessierte einfach alles. Und irgendwie hatte ich schnell das Gefühl, in Wien dazuzugehören.
Wenn ich zurückblicke, habe ich das Gefühl, dass Wien und ich gemeinsam gewachsen sind. Die Stadt hat sich verändert, und ich auch. Ich habe mir hier ein Leben aufgebaut, meinen beruflichen Weg gefunden, wunderbare Menschen kennengelernt und viele verschiedene Lebensabschnitte erlebt.
Heute schätze ich die Lebensqualität, den kulturellen Reichtum und die kleinen Alltagsrituale noch mehr. Ich reise gern und entdecke neue Orte, aber es ist immer etwas Besonderes, nach Wien zurückzukehren.

Wie sehr prägt deine Herkunft bis heute dein Verständnis von Schönheit, Handwerk und Luxus?
Wahrscheinlich mehr, als mir selbst bewusst ist!
Meine Mutter ist sehr kunstsinnig, und eine ihrer Leidenschaften war das Sticken. Ich bin damit aufgewachsen, ihr dabei zuzusehen, wie sie mit Seidenfäden die schönsten Dinge schuf. Mich faszinierte, wie aus etwas so Zartem durch Geduld und Fantasie ein kleines Kunstwerk entstehen konnte. Sie hat mir viel über Stoffe, Farben, Muster und Handwerk beigebracht, ohne dass es sich wie Unterricht angefühlt hätte.
Bei uns zu Hause lagen auch viele Modemagazine herum. Harper’s Bazaar, italienische Modemagazine, Burda … Ich blätterte gern darin, betrachtete die Kleidung und entdeckte auf diesen Seiten ganz unterschiedliche Welten.
Ich glaube, dort begann meine Liebe zu Mode und schönen Dingen. Lange bevor ich etwas über Designermarken oder Luxuslabels wusste, interessierte ich mich bereits für Materialien, Silhouetten und Details.
Das begleitet mich bis heute. Ich kann viel Zeit damit verbringen, die Verarbeitung einer Vintagejacke zu betrachten oder die Haptik eines Stoffes zu ertasten. Das ist etwas sehr Intuitives.
Das Leben in Wien und meine Reisen haben meinen Geschmack natürlich beeinflusst. Aber ich glaube, das kleine Mädchen, das seiner Mutter beim Sticken mit Seidenfäden zusah, prägt bis heute meinen Blick auf Schönheit.
"Niemand soll das Gefühl haben, Vintage-Sammler:in werden zu müssen, um Maison Rivée zu mögen. Du kannst einfach Mode lieben, eine moderne Garderobe haben und ein besonderes Stück entdecken, das alles ein wenig interessanter macht."
Was hat dich dazu bewegt, Maison Rivée aufzubauen, und warum fühlte sich der Zeitpunkt richtig an?
Ich war viele Jahre in den Bereichen Mode, Beauty, Luxus und digitaler Content Creation tätig. Ich habe mit wunderbaren Marken gearbeitet, Modeevents besucht, außergewöhnliche Orte entdeckt und durfte viele unterschiedliche Geschichten erzählen.
Irgendwann hatte ich jedoch das Gefühl, etwas Eigenes schaffen zu wollen. Etwas, bei dem ich nicht nur die Geschichte einer anderen Marke erzähle, sondern selbst eine Marke aufbaue.
Ich habe Vintage schon immer geliebt. Es ist aufregend, ein schönes Stück zu finden, das man nicht überall sieht. Mir wurde klar, dass ich alles, was ich über die Jahre gelernt hatte, in einem Projekt zusammenführen konnte: vom Styling und Fotografieren über die Zusammenarbeit mit Marken bis hin zu meinem Verständnis dafür, was Menschen anspricht.
Als Maria und ich begannen, über Maison Rivée zu sprechen, fühlte es sich wie der ganz natürliche nächste Schritt an. Gleichzeitig reizte mich die Herausforderung. Für eine etablierte Marke Inhalte zu gestalten, ist das eine. Ein eigenes Unternehmen von Grund auf aufzubauen, ist ein ganz anderes Abenteuer. Und ich war bereit dafür.

Foto: Ines Cela
In Wien gibt es bereits mehrere elegante und anspruchsvolle Vintage- und Secondhand-Konzepte. Was hat deiner Meinung nach noch gefehlt?
Ich finde, Wien hat einige wunderbare Vintagegeschäfte, und es freut mich, dass sich immer mehr Menschen für Secondhandmode interessieren.
Persönlich wollte ich Vintage aber für Frauen zugänglicher machen, die moderne Mode lieben und sich vielleicht noch nicht mit Secondhand-Luxus beschäftigt haben. Manchmal sehen Menschen eine Vintagehandtasche und finden sie wunderschön, wissen aber nicht genau, wie sie sie tragen können oder ob sie zum eigenen Stil passt.
Hier kann ich meiner Meinung nach etwas anderes einbringen. Ich beginne sofort, mir dazu Outfits vorzustellen. Ich möchte zeigen, dass eine schöne Vintage-Chaneltasche zu Jeans und einem weißen T-Shirt genauso großartig aussehen kann wie zu einem eleganten Abendkleid.
Niemand soll das Gefühl haben, Vintage-Sammler:in werden zu müssen, um Maison Rivée zu mögen. Du kannst einfach Mode lieben, eine moderne Garderobe haben und ein besonderes Stück entdecken, das alles ein wenig interessanter macht.
Was findest du am österreichischen Luxus- und Modemarkt besonders interessant?
Mich fasziniert, wie sehr die Menschen in Österreich Qualität schätzen und wie unterschiedlich sie Luxus im Vergleich zu manchen anderen Ländern ausdrücken.
Durch meine Arbeit als Content Creatorin hatte ich die Gelegenheit, mit internationalen Luxusmarken zusammenzuarbeiten und unterschiedliche Ansätze in Bezug auf Mode und Lifestyle kennenzulernen.
In Österreich wirkt Luxus oft sehr dezent. Die Menschen schätzen hervorragendes Handwerk und schöne Dinge, möchten damit jedoch nicht unbedingt Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Das finde ich interessant, denn mein eigener Zugang zu Mode ist vielleicht etwas ausdrucksstärker. Ich liebe schöne Klassiker, aber auch besondere Einzelstücke.
Ich denke, beides hat Platz. Vielleicht macht genau das den österreichischen Markt für mich so spannend: Es gibt bereits eine große Wertschätzung für Qualität, zugleich aber auch die Möglichkeit, neue Wege des Stylings und des Modegenusses zu zeigen.

Der Wiener Stil wird oft mit Zurückhaltung statt mit Modeexperimenten verbunden. Findest du, dass die Menschen hier beim Anziehen zu vorsichtig sind?
Manchmal, ja!
Versteh mich nicht falsch: Ich liebe Wiener Eleganz. Ein perfekt geschnittener Mantel, schöne Schuhe und eine zeitlose Handtasche haben etwas Wunderschönes.
Manchmal wünsche ich mir aber, dass die Menschen etwas mehr Spaß an Mode hätten.
Beim Reisen beobachte ich besonders gern die Menschen. Ich kann stundenlang in einem Café in Mailand oder Paris sitzen und mir ansehen, was die Leute tragen. Ich liebe unerwartete Kombinationen, ungewöhnliche Accessoires und Frauen, die sich einfach für sich selbst angezogen zu haben scheinen.
Ich glaube, manchmal machen wir uns zu viele Gedanken darüber, ob alles zusammenpasst oder ob ein Outfit angemessen ist.
Ich freue mich, wenn jemand etwas Unerwartetes trägt. Es muss nicht laut oder extravagant sein. Manchmal reicht eine farbenfrohe Vintage-Tasche oder eine ungewöhnliche Jacke.
Mode muss schließlich nicht immer ganz ernst genommen werden.
Können Mode und insbesondere Vintage dazu ermutigen, experimentierfreudiger zu werden und einen stärkeren persönlichen Stil zu entwickeln?
Auf jeden Fall! Ich finde, Vintage gibt dir die Freiheit, kreativer zu sein.
In der aktuellen Mode wird uns ständig gezeigt, was gerade angesagt ist. Besonders in den sozialen Medien sieht man überall dieselben Taschen, Farben und Silhouetten.
Vintage holt dich aus diesem Kreislauf heraus.
Plötzlich entdeckst du etwas aus den 1980er- oder 1990er-Jahren und merkst, wie gut es zu dem passt, was du heute trägst.
Ich mag auch, dass Vintage-Stücke oft Gespräche anregen. Jemand fragt vielleicht, woher deine Tasche ist, und statt einfach eine aktuelle Kollektion zu nennen, kannst du von einem besonderen Fund erzählen.
Das finde ich viel interessanter. Letztlich sollte es beim persönlichen Stil darum gehen, herauszufinden, was dich glücklich macht, und nicht nur darum, dem aktuellen Trend zu folgen.
Was gibt für dich den Ausschlag, wenn du ein Vintage-Stück auswählst? Handwerk, Herkunft, Seltenheit oder einfach dein Instinkt?
Mein Instinkt. Fast immer!
Meistens weiß ich sehr schnell, ob mich ein Stück anspricht. Es kann die Farbe, die Form, die Struktur oder ein winziges Detail sein, das jemand anderem vielleicht gar nicht auffällt.
Wenn wir Stücke für Maison Rivée auswählen, müssen wir natürlich viel analytischer vorgehen und den Zustand, die Qualität und die Echtheit beurteilen.
Meine erste Reaktion ist aber oft emotional.
Dann setzt meine Fantasie ein. Ich überlege sofort, wie ich das Stück stylen würde, was ich dazu tragen könnte und wie viele verschiedene Looks sich damit kreieren ließen.
Ich glaube, das habe ich durch viele Jahre im Bereich Fotografie, Styling und Content Creation entwickelt. Ich bin sehr visuell und sehe meist sofort, welche Möglichkeiten ein Stück bietet.
Manchmal betrachten Maria und ich denselben Artikel aus völlig unterschiedlichen Perspektiven. Das macht den Auswahlprozess spannend.
Das Wort „Luxus" hat sich im vergangenen Jahrzehnt stark verändert. Was bedeutet Luxus heute für dich?
Ich liebe schöne Dinge immer noch und werde auch nicht so tun, als wäre es anders!
Ich liebe Mode, schöne Hotels, durchdachte Interieurs und all die kleinen Details, die ein Erlebnis besonders machen.
Mit den Jahren habe ich aber erkannt, dass einige meiner liebsten Luxusmomente Dinge sind, die man nicht kaufen kann.
Ein langsamer Morgen mit gutem Kaffee, an einem schönen Ort aufzuwachen, Zeit zum Fotografieren zu haben oder einen Nachmittag mit einem Menschen zu verbringen, den ich liebe, ohne ständig auf die Uhr zu schauen.
Auch meine Arbeit hat meine Sicht darauf geprägt. Wenn du ständig von schönen Produkten und Erlebnissen umgeben bist, lernst du irgendwann zu unterscheiden, was luxuriös aussieht und was sich für dich selbst tatsächlich luxuriös anfühlt.
Für mich sind das oft Zeit, Freiheit und die Möglichkeit, Dinge ohne Eile zu genießen.
Wir sind von mehr Mode umgeben als je zuvor, gleichzeitig wächst der Wunsch, weniger zu konsumieren. Wie bringst du diese beiden Impulse zusammen?
Das ist nicht immer einfach, besonders wenn man beruflich neue Kollektionen entdeckt und mit Mode- und Beauty-Marken arbeitet.
Ich liebe Mode und freue mich wirklich über schöne neue Stücke. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass ich nicht alles besitzen muss, was ich bewundere.
Manchmal kann ich eine Kollektion schätzen, sie fotografieren und darüber sprechen, ohne etwas daraus mit nach Hause nehmen zu müssen.
Ich finde, das ist ein wichtiger Unterschied.
Ich habe ganz sicher keine perfekt minimalistische Garderobe und möchte auch nicht so tun. Ich probiere gern mit Kleidung herum und mag es, Auswahl zu haben.
Aber ich überlege mir genauer, was ich kaufe. Ich versuche, Stücke auszuwählen, die sich auf unterschiedliche Weise kombinieren lassen, und entdecke dabei oft Dinge wieder, die ich bereits besitze.
Mode kann Spaß machen, ohne dass jede Inspiration gleich zu einem Kauf führen muss.
Kann Secondhand-Luxus die Art, wie Menschen Mode konsumieren, wirklich verändern, oder wird er neben dem klassischen Handel immer eine Nische bleiben?
Ich glaube, eine der größten Veränderungen findet bereits darin statt, wie Menschen Secondhandmode wahrnehmen.
Als ich jünger war, bedeutete Luxuskauf oft, in eine schöne Boutique zu gehen und sich für etwas Neues zu entscheiden. Heute kann die Entdeckung eines seltenen Vintage-Stücks genauso aufregend sein, manchmal sogar noch aufregender.
Und ich finde es schön, dass jüngere Generationen immer häufiger Secondhand-Stücke mit neuer Mode kombinieren.
Ich glaube nicht, dass alle aufhören werden, neue Dinge zu kaufen, und das ist meiner Meinung nach auch nicht nötig.
Ich würde mir aber wünschen, dass Secondhand-Luxus ganz selbstverständlich zum Einkaufen gehört.
Stell dir vor, du suchst eine schöne Handtasche und ziehst Vintage-Modelle und aktuelle Kollektionen gleichermaßen in Betracht, ohne eines davon als Kompromiss zu sehen.
Das wäre für mich bereits eine bedeutende Veränderung.
Maison Rivée soll sich nicht wie ein gewöhnlicher Secondhandladen anfühlen. Was sollen Menschen empfinden, wenn sie der Marke zum ersten Mal begegnen?
Ich wünsche mir, dass jemand Maison Rivée entdeckt und sofort denkt: „Oh, das liebe ich! Das könnte ich wirklich tragen!“
Eigentlich ist es genau das.
Die Stücke sollen Begeisterung auslösen. Du sollst dir dazu Outfits vorstellen und vielleicht sogar etwas entdecken, das du normalerweise nicht wählen würdest.
Da ich aus einem visuellen Umfeld komme, denke ich viel darüber nach, wie Menschen Mode durch Bilder erleben.
Fotografie, Styling und kleine Details sind mir enorm wichtig. Wenn du durch Maison Rivée stöberst, sollst du dich so inspiriert fühlen wie ich, wenn ich auf Reisen eine schöne Boutique entdecke.
Und das Erlebnis soll einladend sein. Du musst nicht alles über Modegeschichte oder Designerkollektionen wissen, um ein schönes Stück zu schätzen.
Manchmal verliebst du dich einfach in etwas. Und das genügt.
Wie wichtig ist der Gedanke der Selbstentfaltung für Maison Rivée, besonders in einer Stadt, in der Mode manchmal eher zurückhaltend ist?
Für mich war persönlicher Stil schon immer eine Form der Selbstentfaltung.
Ich arbeite seit vielen Jahren in der digitalen Welt. Dabei ist mir aufgefallen, wie leicht man anfangen kann, sich nach den Erwartungen anderer zu kleiden, besonders in den sozialen Medien.
Du siehst etwas, das gerade im Trend liegt, alle tragen es, und plötzlich scheint es, als gäbe es nur noch eine richtige Art, ein Outfit zu stylen.
Das finde ich ehrlich gesagt ein wenig langweilig.
Was ich an Vintage liebe, ist die Freiheit, eigene Kombinationen zu kreieren.
Und ich würde mir wünschen, dass Maison Rivée Frauen dazu ermutigt, ihrem Geschmack mehr zu vertrauen.
Wenn du etwas liebst, trag es. Auch wenn es gerade nicht im Trend liegt, deine Freund:innen es nicht wählen würden oder es sich von dem unterscheidet, was man in Wien üblicherweise trägt.
Du baust Maison Rivée gemeinsam mit Maria Ratzinger auf. Was bringt ihr jeweils in das Unternehmen ein, das der anderen fehlt?
Maria und ich ergänzen einander, weil wir dieselbe Idee oft aus unterschiedlichen Blickwinkeln angehen.
Maria hat einen starken journalistischen und redaktionellen Hintergrund. Sie kann sehr gut Konzepte entwickeln, Ideen in Worte fassen und das große Ganze im Blick behalten.
Ich gehe die Dinge viel visueller und intuitiver an. Nach vielen Jahren des Bloggens, der Fotografie, des Stylings und der Zusammenarbeit mit internationalen Marken stelle ich mir oft zuerst vor, wie etwas aussehen und wirken könnte.
Zeig mir eine schöne Vintagejacke, und ich stelle mir wahrscheinlich schon drei Outfits zusammen und überlege, wo wir sie fotografieren könnten!
Außerdem bringe ich meine Erfahrung ein, über soziale Medien mit Menschen in Kontakt zu treten und zu verstehen, was jemanden beim Scrollen zum Innehalten veranlasst und ihn wirklich für etwas zu interessieren.
Wir denken nicht immer gleich, und ich finde, das ist gut so. So können wir Ideen hinterfragen und die Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.
Eines verbindet uns auf jeden Fall: Wir begeistern uns beide sehr für schöne Mode.
Was hast du seit der Gründung von Maison Rivée über österreichische Konsument:innen gelernt, das dich überrascht hat?
Interessant finde ich, wie viel Bestätigung Menschen manchmal brauchen, bevor sie Secondhand-Luxus kaufen.
Da ich Vintage schon seit vielen Jahren liebe, vergesse ich manchmal, dass es für andere nicht so vertraut ist.
Fragen zum Zustand, zur Echtheit, zu den Materialien und dazu, wie ein Stück gealtert ist, sind vollkommen verständlich.
Dadurch denke ich genauer darüber nach, wie wir unsere Stücke präsentieren und erklären, was sie besonders macht.
Außerdem wird manchmal unterschätzt, wie gut sich Vintage-Mode tragen lässt. Ein Stück kann für sich allein betrachtet ungewöhnlich wirken. Kombinierst du es aber mit aktueller Kleidung, sieht es plötzlich ganz anders aus.
Ich finde es besonders schön, wenn jemand ein Vintage-Stück plötzlich mit neuen Augen sieht.
Wenn Maison Rivée eine Sache daran verändern könnte, wie Menschen über Mode und Konsum denken: Was sollte das sein?
Ich würde mir wünschen, dass die Menschen neugieriger werden und weniger Angst vor Experimenten haben.
Nicht jede schöne Modeentdeckung muss aus der neuesten Kollektion stammen, und nicht jeder Kauf muss einem Trend folgen.
Manchmal ist das interessanteste Stück in deinem Kleiderschrank jenes, das du ganz unerwartet gefunden hast.
Außerdem würde ich mir wünschen, dass Menschen selbstbewusster darin werden, ihre vorhandene Kleidung mit etwas Neuem oder Ungewöhnlichem zu kombinieren.
Du brauchst nicht jede Saison eine komplett neue Garderobe, um stilvoll zu sein.
Und wenn Maison Rivée dich dazu inspiriert, ein älteres Stück anzusehen und darin etwas Aufregendes statt etwas Veraltetes zu erkennen, würde mich das sehr freuen.
Wo siehst du Maison Rivée in zehn Jahren? Könnte das Unternehmen ein Beispiel für eine neue Form des Einzelhandels und einen anderen Umgang mit Luxus werden?
Zuerst einmal hoffe ich, dass wir noch genauso viel Freude daran haben, schöne Stücke zu entdecken wie heute!
Natürlich wünsche ich mir, dass Maison Rivée wächst und Kund:innen weit über Wien hinaus erreicht. Da ich viele Jahre international gearbeitet und über digitale Plattformen Kontakte geknüpft habe, sehe ich wunderbare Möglichkeiten, eine Gemeinschaft über verschiedene Städte und Länder hinweg aufzubauen.
Am meisten reizt mich aber die Vorstellung, wie sich das Einkaufserlebnis selbst weiterentwickeln könnte.
Ich liebe die persönliche Seite der Mode: Menschen zu treffen, ihnen dabei zu helfen, besondere Stücke zu entdecken und ihnen verschiedene Stylingmöglichkeiten zu zeigen.
Ich kann mir besondere Einkaufserlebnisse, sorgfältig zusammengestellte Kollektionen und Kooperationen vorstellen, die Maison Rivée den Frauen näherbringen, die die Marke lieben.
Dieses persönliche Gefühl möchte ich im Wachstum nicht verlieren.
Wenn mir in zehn Jahren jemand erzählt, dass Maison Rivée ihr geholfen hat, Vintage-Mode zu entdecken, mehr Selbstvertrauen in ihren Stil zu gewinnen oder sich in ein Stück zu verlieben, das sie für immer behalten möchte, wäre das für mich ein wunderbarer Erfolg.
Titelfoto: Ines Cela